Nordamerika

Alaska: the last frontier oder zurück in die Wildnis

Der größte Bundesstaat der USA ist wild, rau und grandios schön.

14.250 km
28 Tage


Nach unserem letzten Alaska-Trip vor 7 Jahren war uns eigentlich schnell klar, dass wir diesen besonderen Ort noch einmal einen Besuch abstatten müssen. Alaska ist nämlich einfach so riesig, und es gibt so unglaublich viel zu entdecken, dass 3 oder 4 Wochen eigentlich nicht ausreichen, um diesen Bundesstaat zu erkunden. Bei unserer Ankunft empfängt uns Alaska dann mit ausgesprochen gutem Wetter, obgleich uns auch hier im hohen Norden der Schnee auch im Juni und Juli noch weiter begleiten wird. Bald werden wir erfahren, dass es im Winter so viel Schnee wie in den letzten 90 Jahren nicht mehr gab - ein Traum!
Unser erstes Ziel ist Seward auf der Kenai Halbinsel. Seward liegt am Meer, ist umgeben von atemberaubenden Bergen und daher meist mit schlechtem Wetter gesegnet. Die Vorhersage für die nächsten Tage sieht aber bei unserem Trip ganz gut aus. Wir buchen uns daher für den zweiten Tag in Seward eine Tour mit dem Boot. Los geht es um 9 Uhr bei strahlendem Sonnenschein auf dem glasklarem Wasser der Resurrection Bay. Die Landschaft hier ist einfach atemberaubend, nicht umsonst sind große Teile des Meeres und des angrenzenden Landes hier Nationalpark. Wir bestaunen unzählige Vögel, darunter Puffins und Weißkopfadler, beobachten Buckelwale, Orcas, Seeotter, Robben und Seelöwen in ihrer natürlichen Umgebung - selten waren wir an einem Ort, an dem wir eine solch große Dichte an Tieren gesehen haben. Endpunkt der Tour ist der Northwestern Glacier, ein riesiger Gezeitengletscher, der nicht nur ob seiner Ausmaße beeindruckend ist, sondern auch mit seinem blauen Schimmer grandios aussieht.
Da das Wetter für den nächsten Tag nicht ganz so gut aussieht, verlassen wir Seward gen Homer und steuern den Skilak Lake an. Auf der Schotterpiste, die hier durch den Wald führt, ist nicht viel los, sodass wir die Nacht fast allein auf einem sehr schönen Campingplatz direkt am See stehen. Leider ist hier bei einem Brand vor einigen Jahren einiges an Wald verloren gegangen, der sich erst langsam beginnt zu erholen.
Am nächsten Tag geht es dann wieder zurück nach Seward; das Wetter sieht wieder fantastisch aus und wir fahren früh zum Ausgangspunkt zu unserer Wanderung auf das Harding Icefield, von dem sich der Exit Glacier nahe Seward ins Tal schlängelt. Es geht stetig bergauf und im letzten Drittel der Wanderung waten wir wieder durch teils knietiefen Schnee. Die Ausblicke entlohnen uns aber für jede Strapaze. Nach unserem Abstieg verlassen wir Seward gen Whittier und übernachten kurz vor dem Tunnel in die Stadt. Am Morgen steht dann unsere nächste Wanderung zum Portage Glacier Lake an. Auch hier ist das Wetter wieder fantastisch, dennoch sind wir wieder mit viel Schnee konfrontiert, der Trek ist dennoch wunderschön und wir begegnen nur vereinzelten Wandernden.
Nach einer Nacht in Whittier geht’s für uns dann wieder zurück nach Anchorage. Dort stehen ein paar Besorgungen an, sodass wir uns entscheiden, auf einem stadtnahem Campingplatz zu übernachten, bevor wir uns am nächsten Tag gen Denali National Park aufmachen. Der erste Stopp auf dem Weg dorthin ist das Eagle River Wildlife Center, ein hübscher kleiner Park, durch den man einige Wanderwege angelegt hat, um Wildtiere zu beobachten - wir hatten da eher weniger Glück, wenn man Mücken mal ausnimmt. Nach einer kurzen Nacht geht es am kommenden Tag den Parks Highway weiter gen Denali NP, bevor wir aber in den Park fahren, machen wir einen kurzen Abstecher nach Talkeetna, ein süßes kleines Nest, in dem man eins, zwei Stunden verbringen kann - es gibt hier auch in der alaskanischen Wildnis einen hervorragenden Kaffee!

Am späten Nachmittag kommen wir im Denali National Park an.

Wir fahren die ersten 13 Meilen mit unserem Auto in den Park hinein - weiter kommt man mit seinem eigenen Gefährt auch nicht. Darüber hinaus muss man den Park Shuttle nehmen, was wir für den nächsten Tag planen. Derzeit kommt man überhaupt nur bis zur 42. Meile (weniger als die Hälfte der gesamten Straßenlänge) in den Park hinein, da ein Schuttlawine, die Straße zerstört hat und die Reparatur wohl einige Jahre in Anspruch nehmen wird.
Doch auch diese ersten 42 Meilen sind schon sehr beeindruckend, obgleich wir nur wenige Tiere sehen (auf dem Rückweg dann aber noch einen Bären). Eine witzige Anekdote zu unserer Tour gibt es aber noch: schon kurz nach dem Einstieg sind wir uns ziemlich sicher, dass wir vor 7 Jahren doch tatsächlich den gleichen Busfahrer, den Omar, hatten. Als wir ihn am Ende der Tour darauf ansprechen, meint er sogar, dass er sich daran erinnern würde - naja, vielleicht nur ein Zeichen amerikanischer Freundlichkeit - trotzdem, und hier zitieren wir Omar: „What are the odds?“ :)
Doch unserer Tag ist noch nicht zu Ende. Um 20 Uhr besteigen wir ganz in der Nähe des Parkeingangs ein kleines Flugzeug für einen einstündigen Rundflug um den Mt. Denali, die höchste Erhebung der USA. Was wir auf diesem Flug sehen, ist tatsächlich nur sehr schwer in Worte zu fassen, schaut Euch einfach diese grandiosen Bilder an.
Nach dem Flug geht es zurück nach Cantwell, um dort eine Nacht zu verbringen, bevor wir unsere Reise über den Denali Highway antreten. Der Denali Highway ist in großen Teilen eine Schotterpiste, die den Parks Highway und den Richardson Highway verbindet. 120 Meilen grandiose Natur, Berge, Flüsse, Seen und nur wenige Menschen, die diese Straße befahren. An unzähligen Punkten kann man den Camper einfach abstellen und die Nacht verbringen.
Nach einer Nacht auf dem Denali Highway kommen wir am Nachmittag in Glennallen an, ein kleines Nest an der Kreuzung des Richardson und Glenn Highways, aber eben doch das Versorgungszentrum für einen 100 Meilen Umkreis. Hier verbringen wir nur eine Nacht, bevor es für uns in den größten Nationalpark der USA geht, dem Wrangell-St. Elias National Park. Eine der beiden Zugangsstraßen, die McCarthy Road steht hier auf dem Programm. Bis Chitina, ein kleines Nest am gleichnamigen Fluss, ist die Straße noch asphaltiert, dann fahren wir mit gemütlichen 20 mph die Schotterpiste, 53 Meilen bis McCarthy.
Eine Nacht verbringen wir aber noch direkt an einem kleinen See bevor wir in McCarthy einrollen. Dort ist die Straße dann zu Ende. Der Ort liegt am anderen Ufer eines reißenden Flusses, den wir nur per Fuß überqueren können. Mit dem Auto können hier nur die Anwohner*innen reinfahren. McCarthy besteht aus einer kleinen Ansammlung von Häusern, einige mit historischen Charme, andere eher mit Outback-Charakter. Früher diente der Ort der Versorgung von Kennecott, einer Minensiedlung ein paar Meilen den gleichnamigen Gletscher entlang die Schotterpiste hoch. Heute bemüht man sich die historischen Gebäude zu sichern und die Geschichte des Ortes zu konservieren, das gelingt manchmal besser und manchmal eher schlechter. Bevor wir zurück zu unserem Camper wandern, lernen wir noch Becca kennen, unseren Guide für unseren 5-tägigen Backcountry Trek, der am folgenden Tag beginnen soll. Wir checken unsere Ausrüstung und unser Essen für die kommenden Tage und haben schon nach der ersten Stunde ein sehr gutes Gefühl, dass Becca ein fantastischer Guide sein wird. Am Abend wird dann noch gepackt und nach einer kurzen Nacht treffen wir Becca früh am nächsten Morgen und fahren gemeinsam mit ihr zum Flugplatz von McCarthy.

Hier besteigen wir dann eine kleine Propellermaschine (Eine Beaver, Baujahr 1947! Kriegste halt nichts besseres als Buschflugzeug!), die uns tief in den Nationalpark in das Tal des Iceberg Lakes fliegt. Als das Flugzeug das Tal wieder verlässt, sind wir im Umkreis von 50km die einzigen Menschen - ein interessantes Gefühl. Wir schultern die Rucksäcke, schnallen das Bärenspray an unsere Gürtel und machen uns auf zu unserem Ziel, das Basecamp für die nächsten drei Nächte. Hier im Iceberg Lake gibt es keine Wanderwege oder Pfade, denen wir folgen können. Vielmehr müssen wir uns immer wieder selbst einen Weg über Felsen, durch Flüsse und durch den noch immer sehr präsenten Schnee suchen. Die Landschaft ist atemberaubend. Von den Bergen fließen mächtige Gletscher ins Tal, die das Flusswasser in eine schillernd glitzernde Suppe verwandeln, von der anderen Seite des Berges strömt glasklares Schmelzwasser entgegen. An den Südhängen blühen die Sträucher und Blumen. An den nördlichen Bergflanken dominiert vielerorts noch Eis und Schnee.





Hier besteigen wir dann eine kleine Propellermaschine (Eine Beaver, Baujahr 1947! Kriegste halt nichts besseres als Buschflugzeug!), die uns tief in den Nationalpark in das Tal des Iceberg Lakes fliegt. Als das Flugzeug das Tal wieder verlässt, sind wir im Umkreis von 50km die einzigen Menschen - ein interessantes Gefühl. Wir schultern die Rucksäcke, schnallen das Bärenspray an unsere Gürtel und machen uns auf zu unserem Ziel, das Basecamp für die nächsten drei Nächte. Hier im Iceberg Lake gibt es keine Wanderwege oder Pfade, denen wir folgen können. Vielmehr müssen wir uns immer wieder selbst einen Weg über Felsen, durch Flüsse und durch den noch immer sehr präsenten Schnee suchen. Die Landschaft ist atemberaubend. Von den Bergen fließen mächtige Gletscher ins Tal, die das Flusswasser in eine schillernd glitzernde Suppe verwandeln, von der anderen Seite des Berges strömt glasklares Schmelzwasser entgegen. An den Südhängen blühen die Sträucher und Blumen. An den nördlichen Bergflanken dominiert vielerorts noch Eis und Schnee.

Nach 6 Stunden erreichen wir unser Camp. Wir errichten erst unsere „Küche“ und dann von dieser noch einmal 100m entfernt, stellen wir die Zelte auf - wegen der Bären! Die nächsten beiden Tage erwandern wir uns türkise Bergseen, felsige Gipfel und grüne Täler. Zum Frühstück am dritten Tag besucht uns ein Bär, der uns, angelockt durch unser Essen, eingehend prüft, schnüffelt und schaut, ob er irgendwie an das Essen kommt - irgendwann verliert er aber das Interesse und zieht weiter. Ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst, wenn auf einmal das zweitgrößte Landraubtier der Erde bis auf 20m zu einem heran kommt - verrückt, dieses Alaska.
Am vierten Tag bauen wir das Camp ab und wandern zurück zur Flugpiste. Dort übernachten wir noch einmal, machen am nächsten Tag noch eine kleinere Wanderung zur anderen Seite des Tals, das nur so von Arctic Cotton und unzähligen Blumen übersät ist, bevor uns die Beaver wieder zurück nach McCarthy fliegt. Am gleichen Abend noch fahren wir noch bis Glennallen und fallen tot ins Bett.
Am nächsten Tag geht’s über den Glenn Highway zurück Richtung Anchorage. Eine Nacht verbringen wir noch in der Nähe des Matanuska Gletschers, die zweite Nacht in Palmer, bevor wir den Camper in Anchorage abgeben und den Flieger nach Juneau besteigen, der Hauptstadt des Bundesstaats, die aber in der Fjördlandschaft des Panhandels von Alaska liegt und nicht an das Straßennetz angeschlossen ist.

Juneau ist im Vergleich zu anderen Städten in Alaska eine Augenweide.

Die kleine Innenstadt hat tatsächlich so etwas ähnliches wie historischen Charme. Und die Lage direkt im Fjord liefert das Übrige, um aus Juneau eine kleine Perle zu machen, wären da nicht 4 riesige Kreuzfahrtschiffe, die den Blick aufs Wasser versperren.
Nach zwei Nächten und einigen Spaziergängen durch die Stadt geht es mit der Fähre des Alaska Marine Highways nach Gustavus. Dieser kleine Ort liegt ca 6 Stunden von Juneau entfernt. Ursprünglich entstanden als Ort, um vor allem Militärmaschine auftanken zu können, sind dann irgendwann in den 60er und 70er Jahren einige Aussteiger*innen hier gelandet und haben diese Ort zu ihrem zu Hause gemacht. Eigentlich regnet es hier immer, im Winter kann es auch manchmal schneien. Wir erleben hier die große Trockenheit - kein Regen weit und breit. Der Tag unserer Ankunft fällt auf den 4. Juli, Nationalfeiertag in den USA - und dieser wird natürlich auch hier JWD, standesgemäß mit Umzug, Fahneneid, Spiel, Spaß und Essen ordentlich gefeiert. Gustavus ist für uns der Ausgangspunkt für einen Besuch des Glacier Bay National Parks. Wir besteigen also am nächsten Tag ein Boot und fahren in den Park, sehen Seelöwen, Wale, Otter und viele - wer hätte es gedacht - Gletscher!
Am letzten Tag in Gustavus machen wir dann noch einen kleinen Ausflug mit dem Kayak rüber nach Pleasant Island, auf der mehrere Tausend Wölfe leben sollen, von denen wir jedoch leider keine sehen. Der kalte Regenwald ist hier aber tatsächlich sehr beeindruckend und auch das Leben in den Gezeitentümpel am Strand wahrlich vielfältig.
Mit der Fähre geht’s dann wieder zurück nach Juneau und dann am nächsten Tag mit dem „Milk Run“ Flieger von Alaska Air nach Wrangell. Der startet in Anchorage und klappert dann alle Nester im alaskanischen Panhandel ab, bevor es nach Seattle geht - daher „Milk Run“. In Wrangell steigen wir aus, da es hier noch einmal die Möglichkeit gibt, den Bären von Alaska ganz besonders nahe zu kommen.

In Anan Creek versammeln sich jeden Sommer nämlich sowohl Grizzlys als auch Schwarzbären.

Ziel der Jagd sind die den Fluss aufwärts ziehenden Lachse. Wir haben mäßigen Erfolg, sehen aber immerhin 4 Bären, davon eine Mutter mit ihrem knapp 2 Jahre alten Nachwuchs. Fast schon interessanter ist der atemberaubende Regenwald und die vielen Weißkopfadler, die wir auf der kleinen Wanderung vom Bootsanleger zur Aussichtsplattform sehen.
Nach zwei Nächten verlassen wir Wrangell und fliegen nach Seattle, stromern dort noch einmal ein bisschen durch die Stadt, essen viel und lecker am Pike Market, bewundern die Space Needle (und im Hintergrund ein Super Moon!), lassen unsere Haare mal wieder kürzen und besteigen dann einen Flieger nach Seoul in Südkorea.

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