Nordamerika

Mountain States: Roadtrip durch Arizona, Utah und Wyoming

Vier Wochen fahren wir mit unserem Nissan durch einsame Wüsten, Canyons und Gebirge.

8.480 km
28 Tage


In Las Vegas schlägt uns auch kurz nach Mitternacht noch die Hitze ins Gesicht. Wir holen unseren - für US-amerikanische Verhältnisse - kleinen Nissan ab und fahren nach Downtown in unser Hotel. Hier ist natürlich auch um 1 Uhr nachts noch ordentlich der Bär am Steppen. Wir gehen schnell auf unser Zimmer und versuchen noch ein bisschen Schlaf zu finden. Am nächsten Morgen holen wir unsere Campingsachen ab, kaufen noch ein bisschen Essen ein und verlassen Las Vegas dann in südöstlicher Richtung gen Sedona, Arizona.
Viele Meilen fahren wir durch Wüsten bis kurz vor Flagstaff die Vegetation wieder beginnt. Dort biegen wir ab und fahren ins Tal von Sedona. Wenige Meilen vor der Stadt stellen wir unser Zelt auf und fahren dann hoch zum Flughafen der Stadt, um noch den Sonnenuntergang mitzunehmen. Am nächsten Tag steht dann unser erster Trek an, der Boynton Canyon Trail. Der Weg mäandert durch Buschland und lichte Wälder, die einen tollen Kontrast bilden zum roten Sandstein der Berge. Wir machen auch noch eine kleine Abstecher zum Subway Cave, der - wie der Name schon sagt - an eine U-Bahn Station erinnert (erinnern soll). Sedona an sich ist eine sehr hübsche, kleine Stadt mit einem charmanten Hippie-Feeling. Die haben hier auch so esoterische Vortexe. Da kann man sich offenbar mit der Energie einer höheren Macht oder so ähnliches verbinden - abgefahren!
Nach zwei Tagen Flower-Power in Sedona fahren wir nach Norden, direkt an den südlichen Rand des Grand Canyons. Und obwohl wir hier vor einigen Jahren schon einmal waren, ist der Blick in dieses riesige Loch im Boden immer wieder faszinierend. An unserem zweiten Tag nehmen wir den Kaibab Trail und laufen einige Meilen in den Canyon rein - da ergeben sich dann noch einmal ganz neue Blicke auf dieses Faszinosum.
Wir lassen den Grand Canyon dann auch schon wieder zurück und fahren weiter zum Glen Canyon, der jetzt aber eigentlich der Lake Powell ist, da man in Page den Colorado River aufgestaut hat und der Canyon daher zu einem riesigen See geworden ist. Interessanterweise ist der Wasserspiegel des Sees aber extrem niedrig. Das liegt auf der einen Seite am Ende des Winters, denn erst im Sommer wird der See dann durch das Schmelzwasser der umgebenden Gebirge gespeist, auf der anderen Seite ist aber auch die seit Jahren andauernde Dürre im Westen der USA dafür verantwortlich, dass der See nicht seine normale Füllhöhe erreicht. In diesem Jahr wird es dann schon langsam gefährlich für die Wasserkraftwerke, die bei bestimmten Wasserhöhen abgeschaltet werden müssten - das wäre aber ziemlich blöd, da riesige Städte, wie Las Vegas, Salt Lake City und Los Angeles von der Stromproduktion des Colorados abhängig sind. Wir stellen unser Zelt am Strand des Sees, ein wenig außerhalb von Page auf bevor wir uns am Abend noch den Horseshoe Bend des Colorado anschauen.

Nach einer sternenklaren Nacht fahren wir nach Kanab.

Die verschlafene Kleinstadt liegt eine Stunde westlich von Page. Dort treffen wir unseren Guide, der uns und drei weitere Touris nach White Pocket fährt. Das ist eine ziemlich abgelegene Region, die aber durch ihre Gesteinsformationen und -farben ziemlich toll aussieht.
Wir brauchen über zwei Stunden über holprige, sandige Straßen bis wir ankommen, um dann einmal das relativ kompakte Gebiet zu durchwandern. Wie die Gesteinsformationen entstanden sind, ist im übrigen nicht bekannt. Eindrucksvoll anzusehen sind sie in jedem Fall!
Da unser Camping-Equipment nicht so richtig sturmfest ist, bauen wir das Zelt am nächsten Tag ab und nehmen uns ein überteuertes Motel in Kanab. Am Nachmittag fahren wir dann zum Lower Antelope Canyon und steigen mit einer kleinen Gruppe hinab in diesen vom Wasser ausgewaschenen Slot Canyon. Von oben eigentlich gar nicht richtig zu sehen, eröffnet der rote Sandstein am Boden des Canyons eine ganz andere Welt. Vielleicht liegt es auch daran, dass unser Guide, der der Navajo Nation angehört und auf deren Land sich der Canyon befindet, uns die besten Fotospots zeigt.
Am nächsten Tag stürmt es noch immer und der feine Wüstensand bläst in jede noch so kleine Ritze. Das Innere unseres Autos wird nach und nach von einer feinen Staubschicht überzogen. Wir fahren am Mittag dann noch zum Canyon X, einem weiteren Slot Canyon und brechen danach auf gen Monument Valley. Rechts und links des Highways türmen sich kleinere und größere Sandstürme auf, die wir das eine oder andere Mal auch durchfahren müssen.

Am Abend erreichen wir das an der Grenze zwischen Utah und Arizona gelegene Monument Valley.

Ebenso als Tribal Park von der Navajo Nation betrieben, trägt das Monument Valley diesen Namen im Übrigen wegen der riesigen Monolithe, die sich auf einer riesigen Ebene „monumental“ erheben. Die Navajo haben praktischerweise eine Straße durch das Tal angelegt, die man in drei Stunden inkl. mehrerer Fotostopps entspannt abfahren kann.

Auf dem Highway, der durch diese Region führt, wurde übrigens auch eine der Schlüsselszenen aus Forrest Gump gedreht: hier hörte Forrest nämlich plötzlich auf zu laufen.





Am Abend erreichen wir das an der Grenze zwischen Utah und Arizona gelegene Monument Valley.

Ebenso als Tribal Park von der Navajo Nation betrieben, trägt das Monument Valley diesen Namen im Übrigen wegen der riesigen Monolithe die sich auf einer riesigen Ebene „monumental“ erheben. Die Navajo haben praktischerweise eine Straße durch das Tal angelegt, die man in drei Stunden inkl. mehrerer Fotostopps entspannt abfahren kann.

Auf dem Highway, der durch diese Region führt, wurde übrigens auch eine der Schlüsselszenen aus Forrest Gump gedreht: hier hörte Forrest nämlich plötzlich auf zu laufen.

Vom Monument Valley steuern wir Moab an, unseren Ausgangspunkt für zwei weitere Nationalparks: Arches National Park und Canyonlands National Park, die man beide praktischerweise von Moab aus günstig erreichen kann. Arches NP ist der kompaktere Park, der vor allem durch seine vielen - wie sollte es auch anders sein - Steinbögen (arches) berühmt ist. Es gibt darüber hinaus natürlich auch noch viele andere spannende Steine und Gesteinsformationen anzusehen. Im Canylands NP gibt es zwar auch den einen oder anderen Steinbogen, wie sein Name aber schon sagt, geht es hier vor allem mal wieder um einen Canyon, der dem Grand Canyon in seinen Ausmaßen eigentlich in nichts nachsteht - ziemlich beeindruckend, vor allem zum Sonnenuntergang.
Nach drei Nächten verlassen wir Moab auch schon wieder und fahren zum nächsten Nationalpark Utahs, dem Capitol Reef NP. Auch hier gibt es viele interessante Gesteinsformationen, Wüste und natürlich auch ein paar Steinbögen. Wir leihen uns hier einen kleinen Jeep aus, mit dem wir zwei Tage lang das Cathedral Valley erkunden. Ein riesiges Gebiet, in das es nur wenige Tourist*innen schaffen. Wir durchqueren zuerst einen kleinen Fluss und fahren dann durch die sogenannten Bentonite Hills, die in vielen Farben leuchten. Immer wieder ergeben sich faszinierende Ausblicke in majestätische Canyons und Täler und auf riesige Felsmonolithe, die einfach so in der Ebene stehen, so auch im sogenannten Valley of the Gods: der Temple of the Moon, Temple of the Sun und Temple of the Stars.
Der Nationalpark hat aber noch eine andere interessante Geschichte, die direkt mit unserem Campingplatz für die nächsten beiden Tage verknüpft ist. In Fruita nämlich haben sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zehn Mormonen-Familien angesiedelt, die das Wasser des dortigen Flusses genutzt haben, um Obst und Gemüse anzubauen. In den einstiegen Obstplantagen (Fruita), die heute von der Parkverwaltung gepflegt werden und dessen Früchte auch gegessen werden können (wenn sie denn reif sind), kann man heute campen - ein ziemlich toller Ort. Am letzten Abend fahren wir dann noch einmal zu einer besonderen Location: eine Dreiviertel Stunde von Fruita entfernt, lassen wir das Auto direkt am Highway stehen und wandern dann noch einmal 30 Minuten lang durch die Wüste in ein kleines Tal, umgeben von grauem Gestein, in dessen Mitte sich eine Gesteinsnadel erhebt (das ist hier so off the beaten path, dass das Ding noch nicht einmal einen richtigen Namen hat) erhebt. Ein unwirklicher und ein Stück weit unheimlicher Ort, der direkt aus Tolkiens Geschichten entnommen zu sein scheint. Mordor lässt grüßen.
Nach einer kurzen Nacht verlassen wir den Capitol Reef NP und fahren in den Zion NP. Im Zion bauen wir unser Zelt auf dem Watchman Campground auf, der mit Abstand schönste Campingplatz auf unserer USA-Reise. Wir schauen von unserem Zelt direkt auf die Red Rocks des Zion Canyons. Der Zion NP ist überschaubar groß, nimmt aber auch mehrere Millionen Besucher*innen pro Jahr auf. Ab Mitte März fährt daher nur noch ein Shuttle-Bus die Canyon Road entlang zu den Park-Highlights, für Privatfahrzeuge ist die Straße dann gesperrt. Am ersten Tag wandern wir hoch zum Angel’s Landing; im Prinzip ein großer Felsvorsprung, von dem man einen wunderbaren Blick ins Tal hat. Der Zugang zu diesem Weg ist aber nur mit Genehmigung möglich, für die man an einer Verlosung teilnehmen muss (das hat die NP Verwaltung so eingerichtet, da hier schon einige Leute vom Pfad gefallen sind, der wirklich sehr schmal ist).
An unserem zweiten Tag erwandern wir uns dann den Canyon Overlook - hier ist der eigentliche Wanderweg vom Tal wegen eines Steinschlags gerade gesperrt, sodass nur die Gewieften unter den Wandernden wissen, wie man dennoch dorthin kommt. Eigentlich ganz schön, da es hier oben nun wesentlich leerer ist. Der Ausblick verschlägt einem tatsächlich die Sprache. Eine Besonderheit bietet der Zion NP noch: und zwar gibt es eine Wanderung, die dem Fluss in einen sehr schmalen Canyon folgt, den sogenannten „Narrows“ - weil die Felswände da so eng sind (Die US-Amerikaner*innen mögen es häufig sehr bildhaft, schönes Beispiel aus dem Norden ist auch: „Spring is here, elk are near.“ Fast so schön wie „Be bear aware!“ oder das Orwell’sche „If you see something, say something!“). Die Wanderung führt tatsächlich mehrere Meilen durch den Fluss und durch den Canyon. Hier sind wir wieder gar nicht allein, dennoch sind die „Narrows“ grandios!
Die nächsten beiden Tage sind wir eigentlich nur „on the road“. Denn nun verlassen wir die warmen Gefilde und fahren in den Norden. Ziel ist der Yellowstone National Park im wunderschönen Bundesstaat Wyoming. Am ersten Tag sind wir 7 Stunden bis in die kleine Stadt Idaho Falls unterwegs, genau im Bundesstaat Idaho. Dort kehren wir in ein Motel ein, um dort die Nacht zu verbringen.

Nach drei Stunden erreichen wir West Yellowstone.

Das Tor zum Yellowstone NP, wo uns gleich in der ersten halben Stunde eine Herde Bisons begrüßt. Im Gegensatz zu Utah ist es im Yellowstone echt noch ziemlich frisch. An vielen Stellen liegt noch Schnee, und Ende Mai sind noch nicht alle Straßen im Park geöffnet.
Dieser ist im Vergleich zu den anderen Parks riesig. Man benötigt mehrere Stunden um den Yellowstone einmal zu durchqueren. Auf Grund der vorhergesagten nächtlichen Temperaturen von -10° C, entscheiden wir uns gegen das Zelten und kehren in der ersten Nacht im Old Faithfull Inn ein.
Das ist ein sehr altes und sehr großen Hotel aus Holz, direkt am Old Faithfull Geysir. Der heißt so, weil er wirklich jede Stunde einmal ausbricht. Das ist natürlich für die Tourist*innen super (Planungssicherheit und so). Das gesamte Gebiet um den Old Faithfull ist gespickt mit unzähligen vulkanischen Highlights: blubbernde Schlammlöcher, Geysire und farbenfrohe Pools. Man kann auf den Pfaden stundenlang entlang spazieren - von Pool zu Pool, von Geysir zu Geysir. Natürlich gibt es für die größten Geysire dann auch von der Parkverwaltung bereitgestellte Vorhersagen zur Ausbruchszeit, die tatsächlich auch sehr genau zutreffen (Respekt!).
Am nächsten Tag fahren wir ans nördliche Ende des Parks zu den Mammoth Hot Springs. Auf dieser Strecke erleben wir dann auch gleich unseren ersten „bear jam“ - ein Stau, der entsteht, wenn die Autos alle anhalten, weil ein Bär gesichtet wurde. In Mammoth Hot Springs hat das heiße Wasser über die Jahre riesige weiße Terrassen gebildet, durch die heute die Wanderwege führen. Unsere beiden letzten Nächte verbringen wir am Yellowstone Lake, der Ende Mai aber noch komplett gefroren ist, und auch an sich wird’s hier wieder sehr winterlich. Über Nacht fallen 10cm Neuschnee und wir wachen in einer Winterlandschaft auf. Der Schnee taut am nächsten Tag jedoch schnell wieder auf. Finden wir eigentlich auch sehr gut, denn so richtig passt der Schnee nicht in unsere Gefühlslage.
Wir verlassen den Park am nächsten Tag in südlicher Richtung. Die Schneedichte nimmt ab und die Temperaturen steigen als wir den Grand Teton National Park erreichen, der direkt an den Yellowstone grenzt. Der Grand Teton NP ist nicht so groß, eigentlich besteht der Park nur aus einer Bergkette mit dem höchsten Berg, dem Grand Teton und einem riesigen Tal. Natürlich gibt es dann noch ein paar malerische Seen, wie beispielsweise den Jenny Lake. Den überqueren wir dann am nächsten Tag auch gleich mal mit einem Boot, erwandern uns ein paar Wasserfälle und einen schönen Aussichtspunkt und laufen dann per Fuß zurück zu unserem Auto, um kurz vor dem Ende der Wanderung noch ein paar Bären zu sichten.
Der Grand Teton wurde im Übrigen auch von Mormonen besiedelt. Einige ihrer alten Scheunen stehen da heute noch denkmalgeschützt rum und dienen als grandiose Fotokulisse.
Das touristische Zentrum des NP ist übrigens Jackson, Wyoming. Hier gibt es Hipster-Cafés und Restaurants, die andere Dinge als Burger und Pommes verkaufen. Von einer Kuriosität muss hier noch berichtet werden: das Auto ist ja in den USA bekanntlich allgegenwärtig. Ohne geht es im Prinzip nicht. Andere Verkehrsteilnehmer*innen werden nur unter Protest geduldet. So auch Fußgänger*innen. In Jackson hat man sich für diese Gruppe was Schönes überlegt: da es offensichtlich immer wieder zu Missverständnissen bei der Interpretation von Fußgängerüberwegen über die 6-spurige Straße kommt, hat die Stadtverwaltung in Jackson einfach rote Fahnen auf beiden Straßenseiten der Zebrastreifen platziert, sodass man beim Überqueren der Straße ein wenig mehr auf sich aufmerksam machen kann. Wir haben aber hier auch nur Gruppen von Menschen (mit Fahne!) gesehen, die es gewagt haben die Straße zu überqueren - das ist ein wenig, wie der Tipp der Nationalparksverwaltung, wegen der Bären nur in Gruppen zu wandern. Verrückt diese USA!

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